Insolvenzen steigen – trotz DAX-Rekord. Wie passt das zusammen?

Teil 1 von 3: Wirtschaftliche Einordnung und strukturelle Ursachen

 

Anfang Januar veröffentlichte das Handelsblatt zwei Meldungen, die auf den ersten Blick kaum widersprüchlicher sein könnten: Einerseits einen deutlichen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland. Auf der anderen Seite einen neuen Rekordstand des deutschen Leitindex DAX, der erstmals die Marke von 25.000 Punkten überschritt.

Bei genauerer Betrachtung löst sich dieser vermeintliche Widerspruch jedoch auf – und offenbart viel über die aktuelle Strukturkrise der deutschen Wirtschaft.

 

Die Realität hinter den Zahlen: Strukturkrise statt Einzelphänomen

Fakt ist: Die deutsche Unternehmenslandschaft steckt tief in einer strukturellen Krise. Die Welle der Großinsolvenzen hat sich 2025 weiter beschleunigt. Laut einer aktuellen Insolvenzanalyse im Auftrag des Handelsblatts mussten im vergangenen Jahr 471 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über zehn Millionen Euro Insolvenz anmelden – rund 25 Prozent mehr als im Vorjahr. Diese Entwicklung wird auch durch aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes bestätigt.

Damit setzt sich ein Trend fort, der seit fünf Jahren anhält. Nach der pandemiebedingten Pleitewelle mit lediglich 163 Fällen im Jahr 2021 haben sich die Großinsolvenzen nahezu verdreifacht.

Die Ursachen sind selten monokausal. Vielmehr entfalten sie in ihrem Zusammenspiel eine zunehmende Dynamik: Eine anhaltende Strukturkrise in der Industrie, zurückhaltende Investitionen infolge schwacher Konsumnachfrage, Fachkräftemangel, bislang kaum wirksame infrastrukturelle Impulse sowie geopolitische Unsicherheiten – vom andauernden Krieg in der Ukraine bis hin zu neuen handelspolitischen Spannungen – setzen Unternehmen erheblich unter Druck. Hinzu kommt ein verschärfter internationaler Wettbewerb. Eine komplexe Gemengelage, die für viele Unternehmen in Deutschland zunehmend zur existenziellen Frage wird. Fachleute rechnen daher für 2026 mit einem Insolvenz-Niveau, das an die Zeit der Finanzkrise heranreichen könnte.

 

Warum der DAX dennoch steigt

Parallel dazu erreichte der DAX einen historischen Höchststand. Das ist jedoch weniger Ausdruck einer starken Binnenkonjunktur als vielmehr ein Spiegel der internationalen Ausrichtung seiner Mitgliedsunternehmen. Ein Großteil der Umsätze der 40 im DAX gelisteten Konzerne wird im Ausland erzielt, häufig außerhalb Europas. Die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland spielt für diese Unternehmen daher nur noch eine untergeordnete Rolle.

Für viele mittelständische Unternehmen gilt das Gegenteil. Sie sind tief in regionale Wertschöpfungsketten eingebunden und können sich den strukturellen Schwächen des Standorts – etwa bei Energiekosten, Regulierung, Fachkräftemangel oder Investitionsklima – nicht ohne Weiteres entziehen. Entsprechend konzentrieren sich die Insolvenzen vor allem außerhalb der großen börsennotierten Konzerne.

 

Krise heißt nicht Stillstand – sondern Handlungsbedarf

Unternehmenskrisen sind Ausnahmesituationen. Sie gehen mit erheblichem zeitlichem, wirtschaftlichem und persönlichem Druck einher. Gerade in solchen Phasen ist es entscheidend, besonnen, strukturiert und rechtssicher zu handeln.

Krise bedeutet dabei nicht zwangsläufig Stillstand. Sie erfordert vielmehr Klarheit, Struktur und eine realistische Einschätzung der eigenen Situation. Die frühzeitige Einordnung wirtschaftlicher Entwicklungen ist heute ein zentraler Bestandteil verantwortungsvoller Unternehmensführung. In diesem Kontext gewinnen Fragen der Stabilität, der Fortführungsfähigkeit und möglicher Handlungsoptionen zunehmend an Bedeutung – lange bevor über Sanierung, Restrukturierung oder gar ein Insolvenzverfahren nachgedacht wird.

Als Boutique-Kanzlei mit langjähriger Erfahrung in der Beratung mittelständischer Unternehmen kennt KHS diese Situationen aus der Praxis. Ziel ist es nicht, vorschnelle Lösungen zu propagieren, sondern Handlungsspielräume transparent zu machen, Optionen einzuordnen und belastbare Entscheidungsgrundlagen zu schaffen.

 

Lesen Sie auch die nächsten Teile unserer Blog-Reihe

Die steigenden Insolvenzzahlen werfen grundlegende Fragen nach Verantwortung, Einordnung und Handlungsfähigkeit auf.

Diesen Fragen widmen wir uns in den folgenden Beiträgen dieser Reihe: In Teil 2 zeigen wir auf, welche Beratungsmöglichkeiten Unternehmen vor einer Insolvenz zur Verfügung stehen. Teil 3 befasst sich mit den Optionen und Instrumenten während und nach einer Insolvenz.

 

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