In unserer dreiteiligen Blogreihe zu Insolvenzen und Restrukturierungen haben wir bereits die wirtschaftlichen Entwicklungen der vergangenen Monate eingeordnet, strukturelle Ursachen beleuchtet und zentrale Handlungsfelder für Unternehmen aufgezeigt. Deutlich wurde dabei vor allem eines: Restrukturierungen sind längst keine Ausnahme mehr, sondern eine Herausforderung, der sich viele Unternehmen im Laufe ihrer Geschichte stellen müssen.
Vor diesem Hintergrund lohnt sich ein Blick auf belastbare Praxis-Erkenntnisse. Die Benchmark-Studie „Restrukturierungen 2026“ der Boston Consulting Group, der Deutschen Gesellschaft für Personalführung e.V. und der Restart Career GmbH untersucht erstmals systematisch, wie Unternehmen Restrukturierungen tatsächlich umsetzen – und welche Faktoren über Erfolg, Zufriedenheit und Zielerreichung entscheiden. Die Studie basiert auf Daten von fast 300 Unternehmen, die in den letzten drei Jahren Restrukturierungen durchgeführt haben. Die Ergebnisse bestätigen viele unserer Einschätzungen und Erwartungen aus der Beratungspraxis und unterstreichen die Bedeutung einer ganzheitlichen Betrachtung wirtschaftlicher, rechtlicher und personeller Fragestellungen. Gerade für Geschäftsleitungen, Aufsichtsgremien, CFO’s und HR-Verantwortliche liefern sie wertvolle Anhaltspunkte für eine fundierte, vorausschauende und umfassende Restrukturierungsberatung.
Restrukturierung ist heute Transformation – nicht nur Stellenabbau
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass Restrukturierungen zunehmend als strategisches Transformation-Instrument verstanden werden.
Rund 77 Prozent der befragten Unternehmen stellen während einer Restrukturierung neue Profile ein. Transformation und Personalabbau finden also häufig gleichzeitig statt. Restrukturierungen dienen somit nicht primär der kurzfristigen Kostensenkung, sondern der Neuausrichtung von Organisationen, Strukturen und Kompetenzen. Für die Praxis bedeutet das: Erfolgreiche Restrukturierungen benötigen ein klares Zielbild – sowohl für den Abbau als auch für die zukünftige Organisation.
Die eigentlichen Treiber: Kosten, Struktur, Strategie
Entgegen vieler öffentlicher Debatten sind es nicht Automatisierung oder KI, die Restrukturierungen aktuell dominieren. Nur ein sehr kleiner Teil der Unternehmen nennt diese Faktoren als unmittelbaren Auslöser.
Stattdessen zeigen sich klassische Treiber:
- Reorganisationen und strukturelle Anpassungen
- Kostensteigerungen und Margendruck
- Strategische Neuausrichtungen
- Nachfragerückgänge
Restrukturierungen sind damit vor allem eine Reaktion auf ökonomische und strukturelle Veränderungen, weniger auf technologische Disruptionen.
Leadership als entscheidender Erfolgsfaktor
Besonders deutlich fällt das Studienergebnis beim Thema Führung aus: Klares, stringentes Leadership ist der entscheidende Erfolgsfaktor bei Restrukturierungen. Unternehmen, in denen Führung früh sichtbar wird, Entscheidungen klar getroffen und Maßnahmen einheitlich sowie transparent kommuniziert werden, berichten von einer deutlich höheren Zustimmung. Lange, unklare Prozesse kosten dagegen Vertrauen und mindern die Akzeptanz im Unternehmen spürbar. Für die Unternehmensleitung bedeutet das: In Restrukturierungsphasen ist Führung keine delegierbare Aufgabe, sondern muss aktiv wahrgenommen und sichtbar gelebt werden.
Zufriedenheit ist kein „weicher Faktor“
Ein besonders relevanter Befund der Studie betrifft die Zufriedenheit bei der Umsetzung: Sie ist kein „weicher Faktor“, sondern ein klarer Erfolgsindikator. Unternehmen, die ihren Restrukturierungsprozess insgesamt positiv bewerten, erreichen ihre finanziellen Ziele deutlich häufiger als andere. Maßgeblich hierfür sind vor allem klare Prozesse, kurze Planungs- und Umsetzungsphasen sowie faire und transparente Maßnahmen.
Finanzielle Zielerreichung – oft auf Kosten der Kultur
Gleichzeitig zeigt die Studie auch kritische Aspekte: Zwar erreichen die meisten Unternehmen ihre kurzfristigen finanziellen Ziele, doch Unternehmenskultur und Arbeitgebermarke leiden häufig. In einem relevanten Teil der Fälle erholt sich die Stimmung auch langfristig nicht vollständig. Für Unternehmen und ihre Berater:innen stellt sich damit eine zentrale Frage: Wie lassen sich wirtschaftliche Notwendigkeit und kulturelle Stabilität besser miteinander verbinden?
Die Rolle von HR: operativ stark, strategisch mit Potenzial
HR ist in Restrukturierungen meist intensiv eingebunden – allerdings überwiegend operativ. Strategische Gestaltung, etwa der Zielorganisation oder der langfristigen Personalstruktur, liegt dagegen häufig allein beim Management. Die Studie zeigt jedoch: Wenn die Personalabteilung früh und strategisch eingebunden ist, verlaufen Restrukturierungen schneller und reibungsloser. Hier liegt ein bislang oft ungenutztes Potenzial.
Einordnung: Was Unternehmen aus der Studie mitnehmen sollten
Die Ergebnisse der Benchmark-Studie unterstreichen zahlreiche Beobachtungen aus unserer eigenen Beratungspraxis. Heute mehr denn je sind Restrukturierungen komplexe Transformations-Prozesse, die strategische, rechtliche, wirtschaftliche und personelle Dimensionen gleichzeitig betreffen.
Erfolgreich sind vor allem jene Unternehmen, die:
- Restrukturierung als strategische Aufgabe verstehen
- Führung klar wahrnehmen und Verantwortung übernehmen
- Prozesse straff, transparent und fair gestalten
- HR nicht nur operativ, sondern strategisch einbinden
Erfolgsfaktoren aus unsere Beratungspraxis
In unserer Zusammenarbeit mit Geschäftsleitungen, Gesellschafter:innen und Aufsichtsgremien zeigt sich immer wieder, dass Erfolg weniger von einzelnen Instrumenten abhängt als von klarer Führung, belastbaren Entscheidungsgrundlagen und einer strukturierten, fairen Umsetzung. Gerade in Phasen hoher Unsicherheit ist es entscheidend, Orientierung zu schaffen, Handlungsoptionen realistisch einzuordnen und Prozesse konsequent zu steuern.
Unsere Erfahrung aus der Begleitung von Restrukturierungs- und Transformation-Vorhaben deckt sich dabei klar mit den Studienergebnissen: Wo wirtschaftliche Zielsetzungen, arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen und kommunikative Aspekte gemeinsam gedacht werden, lassen sich Restrukturierungen nicht nur effizienter, sondern auch nachhaltiger umsetzen.
Beratung mit Blick für das Ganze
Genau darin sehen wir unseren Anspruch – Unternehmen in anspruchsvollen Situationen dabei zu unterstützen, tragfähige Entscheidungen zu treffen und die Weichen für eine stabile Zukunft zu stellen.
Sie stehen vor strukturellen Veränderungen oder möchten Restrukturierungs-Optionen frühzeitig einordnen? Sprechen Sie uns gerne an – wir unterstützen Sie bei der strukturierten Bewertung und Umsetzung.
